“Starkes Weiches Herz” – Madeleine Alizadeh (5/5 ★)

An Madeleine’s Buch habe ich mich mit einer Prise Skepsis rangemacht. Sowohl das Buchcover, als auch den Buchtitel fand ich zu kitschig und war sogar richtig enttäuscht darüber, dass diese die Endwahl für das fertige Produkt wurden. Ich schämte mich sogar ein wenig dafür, mit dem Buch in der U-Bahn gesehen zu werden, das einem Michelle Obama Cover ähnelte. 

Dennoch wollte ich erstens, Madeleine unterstützen, da ich ihren Einsatz in unserer Gesellschaft toll und vorbildlich finde, und zweitens, war ich neugierig rauszufinden, ob sie es geschafft hat, ein “gutes” Buch zu schreiben.

Schon im Vorhinein habe ich die vielen Rückmeldungen auf instagram gesehen und mich gefragt, ob all diese von jungen Teenies geschrieben wurden, die sich leicht beeindrucken lassen. Und nur nachdem ich mich selber an das Buch gewagt habe, kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass es wundervoll ist und ich die gelesenen positiven Rückmeldungen zu 100% unterschreiben würde.

Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich es in einem Flugzeug gelesen habe und ich dort oben in der Höhe immer viel emotionaler werde, aber bei mir flossen schon bei Seite 40 die Tränen. So banal es in den Reviews der anderen Leser klang, aber die Aussagen treffen und bewegen wirklich was im Herzen. So ging es aber auch das gesamte Buch weiter, immer wieder, wenn bestimmte Themenbereiche sich mit meinen eigenen Erfahrungen überschnitten haben. 

Ich schätze es wahnsinnig, dass Madeleine so offen über ihre eigenen Erfahrungen spricht und man dadurch zum ersten Mal den größten Einblick in ihr Leben hinter dem Instagram-Profil bekommt. Die Anekdoten aus dem Leben wie die Süßigkeitenladengeschichte oder die Strumpfhosengeschenke vom Christkindl, aber auch die Beziehung zu ihrem Vater, haben die Leseerfahrung in ein Wechselspiel mit einem weinenden und einem lachenden Auge verwandelt. Erst dank Madeleine und ihrem Instagram-Profil, habe ich begonnen auf Fleisch zu verzichten, erstmals auf die Herstellungsbedigungen von Kleidung Acht zu geben, mich bemüht, meinen eigenen Tumbler so oft wie möglich dabei zu haben, anstatt Plastikflaschen zu kaufen, die Anzahl an Müll, den ich produziere, zu verringern und auf wiederverwendbare Gegenstände zu wechseln. Durch sie ist mir bewusster geworden, dass ich als Feministin dennoch unbewusst zu Unrecht urteilende Gedanken pflegte. Zum Beispiel, dass ich meine Freundin dafür verurteilt habe, dass sie ein zu durchsichtiges oder zu tief ausgeschnittenes Top getragen hat & dadurch Männer provoziert hätte, sie zu belästigen. Ich bin dankbar, über so einen Menschen wie Madeleine in meinem Leben gestolpert zu sein, damals zu den Zeiten, als ich einen eigenen Blog hatte und sie noch wie ein damals klassischer Blogger mit Fast Fashion begann. 

Die Kritiker werden wahrscheinlich die Zitate von Solange Knowles oder Serena Williams erwähnen, die Vergleiche mit Serien wie der Bachelor, Friends oder Suits, die sie als banal bezeichnen werden. Dennoch ists dieses Buch vor allem eines, sehr menschlich und mutig, da die Autorin tapfer genug ist, sich komplett zu öffnen und ihre eigenen Lebenserfahrungen zu teilen. 
Kaum hat mich jemals ein Buch so sehr berührt und das einzige andere, an das ich mich erinnern kann, ist “Vatermänner”, eines auf das ich dank Madeleine aufmerksam wurde. 

Selten wollte ich bei einem Buch schon bei Seite 70 so viel zum Ausdruck bringen und meine Eindrücke sofort niederzuschreiben. Für all diejenigen, die neugierig sind, sich aber noch nicht sicher sind, ob es was für sie ist: Es ist ein Buch, das einem einen sanften Anstoß gibt, sich mehr Gedanken über das eigene Leben zu machen, sich die Zeit zu nehmen, sich besser kennenzulernen und zu verstehen zu lernen. Es werden unerwartete Themen aufgegriffen, unter anderem Intergeschlechtlichkeit, und die Aufforderung, das normative Empfinden von nur 2 Geschlechtern zu hinterfragen. Egal welche Sujets jedoch in dem Buch angeschnitten werden, bei jedem von ihnen ist klar, dass sie der Autorin sehr am Herzen liegen. Das Buch liest sich durch eine klar erkenntliche Authentizität wahnsinnig angenehm und flüssig, aber es lässt sich auch der journalistische Background von Madeleine rauslesen, denn nicht jeder x-beliebige Blogger könnte so etwas produzieren. Was einen erfreut, ist auch, dass die Dynamik von Anfang bis zum Ende eine durchgehend gleichbleibende ist. Oft ist es bei neuen Autoren erkennbar, dass sie sich am Ende wegen einer bevorstehenden Deadline durchhetzten mussten, bei Madeleine ist es absolut nicht der Fall. Ich habe jetzt das Innere, sowie das Äußere von dem Buch, lieben gelernt: Das angenehm matte Cover und das charaktervolle Apfelpapier, durch welches jede Seite des Buches anders aussieht. 

Mein Traum war schon immer, selber eines Tages ein Buch zu veröffentlichen, es war mir aber auch seit dem Erwachen dieses Wunsches klar, dass ich mein Thema erst mit der Zeit finden würde. Dank Madeleine wage ich mich, mir wieder Gedanken darüber zu machen und mich zu trauen, langsame Schritte in Richtung meines Traumes zu machen. Ich bewerte das Buch mit voller Überzeugung mit fünf aus fünf Sternen. Es ist von einem Menschen geschrieben, der mir nah geworden ist, ohne, dass sie es weiß. Und ich bin stolz auf sie, wie ich auf eine Freundin stolz wäre. 

★★★★★ (5/5)

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